Wir über Uns - Story

100 Jahre - 1888 - 1998

Liebe Turnschwestern und Turnbrüder,
liebe Freunde des Turnvereins 1888 Eversberg,

mit hundert Lebensjahren ist man im menschlichen Leben ein Greis. Wie steht es da mit den Jubilarverein TV Eversberg? Wie hat er sich den von Turnvater Jahn vor 175 Jahren vorgestellten Ideen angepaßt? Wie sind die Vorstellungen der Vereinsgründer von vor 100 Jahren verwirklicht? Sind sie weiterentwickelt worden?

Auf diese Fragen soll zum 100jährigen Bestehen des Turnvereins Eversberg diese Festschrift Antworten geben. Aber sie soll auch die Entwicklung aufzeigen, die der TV Eversberg bis heute genommen hat.

Was damals wie heute zutrifft ist, daß Sport verbindet und daß er eine Quelle zur Freude und Gesundheit sein soll. Die Tradition allein aber zählt nicht, wenn aus ihr nicht auch die Kraft bezogen wird, den sportlichen Betätigungen Sinn zu geben und immer wieder der Zeit anzupassen.

Mit dem Leitspruch der deutschen Turnerschaft "frisch - fromm - fröhlich - frei" werden wir auch in das 2. Jahrhundert unseres Bestehens geben, da mit das fortsetzend, was unsere 23 Gründerväter vor hundert Jahren begonnen haben.

Fritz Siebers
(1. Vorsitzender)

Was nicht im Geschichtsbuch stehen kann

(Römische Kohorte verpaßt Schlacht im Teutoburger Wald. - Vom Plackweg interessante Beobachtung gemacht. - Abstieg ins Tal zwischen Stimm-Stamm und Schlossberg. - Begegnung mit den ersten sporttreibenden "Hartwitten". - Legionäre lernen Fußballspiel kennen und ziehen für immer ihre Uniform aus).

Der römische Kaiser Augustus, dessen politischer und territorialer .Handlungsbedarf" bis weit nach Germanien hinein, bis zur Weser, reichte, regierte bereits 40 Jahre. In diesem Regierungs-Jubiläumsjahr (heute heißt die genaue Zeitangabe "9 nach Christi Geburt) geschah es, daß eine römische Kohorte unter der Führung des Centurio (Hauptmann) Clarus P. Tillius im Eilschritt über die ,,ViaPlacca" (It. römischer Generalstabskarte 1:100.000), dem heutigen Plackweg, in Richtung Osten eilte. Tillius' Kohorte, eine (sehr) selbständig operierende Einheit im Verband der Legion des Herrn Quintilius Varus, bestand hauptsächlich aus relativ jungen Söldnern, die am Rhein und im Mittelgebirge östlich dieses Flusses (das heutige Sauerland?) zu Hause waren. Gern trugen sie nicht die römische Uniform, denn man hatte sie sehr unfreiwillig ,,zu den Fahnen geeilt". Ihre Kohorte bildete die Nachhut zum Hauptkontingent der Varus Truppe, welche den Auftrag hatte, eine Strafexpedition gegen den römischen Ex-Offizier Arminius und seine Rebellen auszuführen.

Centurio Clarus P. Tillius wußte, daß sein Zeitplan nicht mehr stimmte, denn der Sonnengott Sol würde spätestens in einer Stunde seinen Feuerstuhl in die himmlische Garage lenken. Schuld an der Verspätung war die Waldschänke "Frigga's Hohl" (das heutige Freienohl?), wo es für die durstigen Landser ein so süffiges Met gab.

Die Sommerhitze trieb den Soldaten das zuviel getrunkene Met aus allen Poren, so daß Tillius an einer Waldlichtung (mit Blick ins Tal) eine kurze Rast befahl. »Geht alles vom Krieg ab", machte ein junger Soldat sich etwas vorlaut bemerkbar. Zum Glück hörte es sein Centurio nicht, denn der hatte den Helm abgenommen und wischte sich mit einem blütenweißen und porentiefreinen Taschentuch (Geschenk von der Wirtin Töchterlein in "Frigga's Hohl") den Schweiß von der gebräunten Stirn. Dann beschattete er mit der rechten Hand seine Augen und blickte hinab ins Tal. Dort entdeckte er Bewegung. War es ein Rudel Wisente, die es in Germanien geben sollte (hatte er auf der Kriegsschule in Rom gelernt) oder Menschen, Feinde?

"Jetzt müßte ich ein Fernrohr haben (aber das hatte er leider nicht, denn es wurde erst gut 1600 Jahre später von Kepler bzw. Galilei erfunden und verbessert), um Genaueres zu wissen".

"Keine Sorge, Centurio", beruhigte ihn einer seiner Zugführer, der anscheinend die besseren Augen besaß. Jen kenne mich hier in der Gegend aus, denn die Hütte meiner Eltern steht nur wenige Meilen von hier entfernt. Die Burschen da unten, die mit nacktem Oberkörper, nur mit einer kurzen Fellhose bekleidet, auf einer Wiese herumspringen und sich mit einem runden Etwas - es wird eine mit gepreßtem Gras gefüllte Lederkugel sein-sind "Hartwitten", ein kleiner hier ansässiger friedlicher germanischer Stamm. Diese Sportart nennen sie "Fußball", weil man dieses runde Leder, das sie Ball nennen, nur mit den Füßen berühren darf".

Der Centurio staunte und buchstabierte "A-r-t-w-i-t-t-e-n"? (Er konnte wie auch später seine italienischen Nachfahren schon kein "H" sprechen). Und am Wort "Fußball" zerbrach er sich fast die Zunge, die vom Met sowieso bereits etwas schwerer geworden war.

"Ja, Fußball", bekräftigte der Zugführer (er soll Berneker geheißen haben). »Diese Sportart haben die Germanen von den Kelten, die auf der britischen Insel hausen, übernommen. Als Caesar damals seinen Feldzug nach Britannien unternahm, soll ein germanischer Legionär einen Fußball samt Regelwerk in seinem Gepäck mitgebracht haben".

»Das muß ich mir live ansehen" (er sagte dieses "deutsche" Wort selbstverständlich in der römisch-lateinischen Version), begeisterte sich der junge Centurio, der in Rom ein erfolgreicher Leichtathlet war und schon während seiner Ausbildung viel Zeit zum Training erhielt. Nun befahl er: »Alle mal herhören! Wir steigen ins Tal hinab. Zur Schlacht im Osning-SiIva (heute: Teutoburger Wald) kommen wir immer noch früh genug". Keiner seiner Unterführer wagte es, das Wort vom militärischen Ungehorsam auszusprechen, denn alle hatten von diesem Feldzug in Germaniens dichten Wäldern sowieso die Schnauze voll.

Die Kohorte verließ die »Via Placca" und schwenkte rechts um ins Tal hinab. Es gab zwar weder Wanderwege noch Forstwirtschaftswege, aber sie kämpften sich tapfer durch das dichte Unterholz und erreichten nach knapp einer Stunde den »Sportplatz". Dort begrüßte sie ohne Angst vor den Uniformierten der baumlange Anführer der "Hartwitten" (ein germanischer Söldner dolmetschte). Er führte ein sehr anregendes Gespräch mit dem Centurio, wobei er seine übersetzten Worte mit Händen und Füßen gestenreich unterstrich. Und das vorläufige Ende dieser Unterhaltung über den Fußballsport? Der Centurio suchte elf Soldaten seiner Kohorte aus (die meisten meldeten sich freiwillig), die ihre Rüstung und Waffen ablegen mußten, um in ihren kurzen Unterhosen gegen eine Mannschaft der »Hartwitten" anzutreten, nachdem sie einen Schnellkursus über die Grundzüge dieses Spiels absolviert hatten.

Selbstverständlich verlor die Soldaten-Elf hoch. Aber es gab keine offenen und auch keine versteckten Fouls. Da es dunkel wurde, beschloß der Centurio, im »Hoppegarten" (Ortsteil von Eversberg, der alten Bergstadt, heißt noch heute so), die Zelte aufzuschlagen. Aus einer Nacht wurde eine Woche, denn der Centurio und seine Männer konnten der Gastfreundschaft der »Hartwitten" nicht widerstehen. Als die Kunde von der vernichtenden Niederlage seines obersten Kriegsherrn Varus durchsickerte (Feuer- und Rauchzeichen hatten von Berggipfel zu Berggipfel dieses historische Ereignis gemeldet), tat Centurio Tillius etwas in der Kriegsgeschichte Einmaliges: er löste seine Truppe auf, befahl seinen Soldaten ihre Ausrüstung zu vergraben und sich in ihre Heimatregionen durchzuschlagen. Die Hartwitten halfen ihnen gern mit Zivilbekleidung aus. Centurio Tillius und viele seiner Männer blieben bei den Hartwitten und wurden so zu den Ur-ur-ur-ur-Vorfahren der Eversberger.

Diese Episode aus dem Jahre 9 n. Chr. steht in keinem Geschichtsbuch und auch nicht im Eversberger Heimatbuch. Das kann sie auch nicht, denn sie ist ein Phantasieprodukt und eine humorvolle Einstimmung in die amtlich belegte Geschichte des "1OOjährigen "TV Eversberg". Aber diesen kleinen pseudo-historischen Kunstgriff haben Sie, liebe Bergstädter, schon von Anfang an durchschaut - woll?

Foto (wird bald nachgeliefert...)

Turnvater Jahns Prophezeiung

"Das Turnen, aus kleiner Quelle entsprungen, wallt jetzt als freudiger Strom durch Deutschland. Er wird künftig ein verbindender See werden, ein gewaltiges Meer"

Verlassen wir nach dieser "Ouvertüre" das Gebiet völlig ungesicherter Geschichtsschreibung über die sportlichen Anfänge in der alten Bergstadt Eversberg. Doch bevor wir zur Geburtsstunde des "100jährigen "TV Eversberg" kommen, wollen wir noch einen Rückblick werfen auf die allgemeine Entwicklung des Sports in Deutschland. Während in England in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts schon mächtige und sehr praktische Fußballplätze entstanden sind, die Zehntausenden Platz boten, träumte der Kontinent noch vor sich hin. Die Leichtathletik begann erst einige Jahre vor dem Ersten Weltkrieg nur allmählich volkstümlich zu werden. Fußball, vorerst ein Sport von Studenten, galt lange Zeit als vulgär, war auf Schulhöfen verpönt, brachte Karzer und Strafen.

Die "Turngemeinde Münster" hat zu ihrem 125jährigen Bestehen im Jahre 1987 eine Festschrift herausgegeben. Für sie verfaßte Dr. Aloys Schaefer den Beitrag "Zur Geschichte der deutschen Turnbewegung seit 1811" mit dem Untertitel "Wer seine Vergangenheit nicht kennt, hat auch keine Zukunft". Aus diesem Bericht zitieren wir auszugsweise. "Die Wurzeln der Leibesübungen reichen tief in die Antike. Die "Olympischen Spiele" im alten Griechenland sind ein Beispiel dafür. Auch in Deutschland sind in früheren Jahrhunderten schon Leibesübungen betrieben worden: von Rittern, Kadetten, Studenten und Schülern besonderer Erziehungsanstalten.

Vor Friedrich Ludwig Jahn (1778 bis 1852) hatten Gerhard Ulrich Anton Vieth (1763 bis 1830) und Johann Christoph GutsMuths (1759 bis 1839) im Schulbereich den Grund zu einer pädagogischen Leibesübung gelegt, die GutsMuths ,,Gymnastik" nannte (aus dem griechischen "gymnazein" = üben, abgeleitet). Seinen ersten Turnplatz hat er in den Jahren 1785 bis 1793 in Schneppenthal bei Waltershausen in der Nähe von Gotha errichtet.

"Turnvater" Jahns herausragendes Verdienst besteht darin, daß er die Leibesübungen aus den Schulen und ausgewählten Kreisen herausholte und sie allen Gesellschaftsschichten öffentlich zugänglich machte. So ist Jahn zum Begründer der volkstümlichen Leibesübungen in Deutschland geworden. Sein erster Turnplatz in der Hasenheide bei Berlin ist noch bekannter als der von GutsMuths in der Nähe von Gotha.

Friedrich Ludwig Jahn hat also das Turnen nicht erfunden, aber er hat dieser guten Sache Namen, Inhalt und Richtung gegeben. In seinen Büchern "Das deutsche Volkstum" (1810) und "Die deutsche Turnkunst" (1816) hat Jahn seine Grundideen niedergelegt und mit Hilfe seines Kollegen Ernst Wilhelm Bernhard Eiselen (1793 bis 1846) und Karl Friedrich Friesen (1785 bis 1814) praktiziert. Eiselen hat "Die deutsche Turnkunst" mitherausgegeben...

Jahn verfolgte mit dem Turnen pädagogische und politische, auf Einheit und Freiheit des Vaterlandes gerichtete Ziele. Die Leibesübungen, die er "Turnkunst" nannte, sollten zur harmonischen Gesamtbildung des Menschen einen wesentlichen, ja, unersetzlichen Beitrag liefern.

Im Jahr 1844 sprach Jahn die Worte:
"Das Turnen, aus kleiner Quelle entsprungen, wallt jetzt als freudiger Strom durch Deutschland. Er wird künftig ein verbindender See werden, ein gewaltiges Meer".

Ein Traum, eine Prophezeiung, ist Wirklichkeit geworden, daran konnte auch die Turnsperre, die von 1820 bis 1842 dauerte, nichts ändern. Sie war die Folge der ,,Karlsbader Beschlüsse" von 1819 und des Ministerial-Erlaß vom 2. Januar 1820.

Und der deutsche Turner-Bund heute?

Während der letzten Jahrzehnte wurde der Deutsche Turnerbund zum Verband für das vielseitige Turnen im Sinne des Breiten- und Freizeitsports, Spitzenverband für die von ihm national und international vertretenen Sportarten. Das ist der Deutsche Turner-Bund heute:

17 Mitglieds-/Landesturnverbände, 200 Turngau-Kreise, Kreisturnverbände, 14.000 Turnvereine, 100.000 Übungsleiter, 250.000 Ehrenamtliche Mitarbeiter, 3,6 Millionen Mitglieder.

Foto (wird bald nachgeliefert...)

Zuerst immer Historische Rückblicke, dann:
Querfeldein durch die letzten 25 Jahre des TV Eversberg

"Es wird in hundert Jahren wieder so ein Frühling sein...", begann ein i ein Tenor in einem Tonfilm zwischen den beiden Weltkriegen schmettert! Lied haben jene 30 bis 40 Männer mit Sicherheit nicht gesungen, als am i ..Dreikaiserjahres" 1888, turnbegeistert wie sie waren, den ..Turnverein 1888" aus der Taufe hoben. Sie konnten diesen Kinofilm-Hit schon deswegen nicht singen, weil es damals noch keinen Tonfilm und auch diesen Schlager r Außerdem waren die Gründerväter weder Propheten noch Hellseher, die nicht wissen konnten, ob nach hundert Jahren ihr "Kind" noch einen Frühling erleben würde.

Wir Heutigen wissen um den "ewigen Frühling" eines gesunden Vereinslebens, dem auch die kommunale Neuordnung im Jahre 1975 keinen Abbruch tun konnte in der alten Bergstadt. So erleben wir den Sommer 1988, in dem der TV Eversberg seinen 100. Geburtstag feiert. Das ist der rechte Anlaß, den 23 Gründer des Vereins ein Dankeschön zum Olymp hinaufzusenden, wo sie bestimmt mit Turnvater Jahn zusammensitzen und von den Gründerjahren der deutschen Turnerei plaudern, die Zeiten von damals mit den heutigen vergleichen.

Foto (wird bald nachgeliefert...)

Über den genauen Wortlaut der Gründungsversammlung liegt kein Protokoll vor, so daß wir die Gespräche nur nachempfinden und "nachstellen" können. "Die Warsteiner hinterm Stimm-Stamm haben vor wenigen Wochen auch ihren Turnverein gegründet, und in Meschede gibt es schon seit Jahren einen Turn- und Sportverein. Warum sollen wir nicht ihrem Beispiel folgen". - "Und wie soll der zu gründende Eversberger Turnverein heißen?"

Die Gründer verzichteten auf einen wohlklingenden und hochtrabenden Namen. Sie wählten jene zwei Worte für die Namensgebung, mit denen sich Turner auch heute noch Glück und Erfolg, wünschen oder sich begrüßen: "Gut Heil".

Foto (wird bald nachgeliefert...)

Turner waren die Vorkämpfer

Im September des Jahres 1888 nahmen die Vereinsmitglieder einstimmig die Satzung an, unterzeichnet von Bernhard Nölke (Präsident und Turnwart), August Brand (Schriftwart), Anton Droge (Kassenwart), Heinrich Niemeier (Zeugwart). Der § 10 der Turnwart von 1888 atmet preußische Disziplin:

"Während der Ordnungs- und Freiübungen darf unbedingt nicht gesprochen und gelacht werden. Während des riegenweisen Turnens darf insofern gesprochen werden, als es zur Sache gehört und auf das Turnen nicht störend wirkt." So streng waren damals die Turner-Bräuche. Heuten geht es auf dem Turnboden wesentlich lockerer zu, denn Turnen soll Freude machen und nicht zur Zwangsjacke werden. Womit wir nicht sagen wollen, daß ein Training nicht ernst zu nehmen sei.

Die Vereinsgründer vollbrachten eine mutige Tat. Ihre Hoffnungen und Wünsche sollten schon bald auf eine harte Bewährungsprobe gestellt werden (heißt es in der Festschrift von 1963), denn: ,,Die Turner waren Avantgardisten und mußten sich im traditionsgebundenen Sauerland vieler Anfeindungen erwehren. Vermutlich war manchen männlichen und weiblichen Sittenstrengen die Tatsache ein Dorn im Auge, daß die Turner »fast nackt" ihrem Sport huldigten.

Das Turnlokal beim Mitbegründer Gastwirt Anton Droege mußte sogar aufgegeben werden, weil der beim gleichen Wirt verkehrende Gesangverein die Turner dazu zwang. Heute sind in der Bergstadt alle Vereine "ein Herz und eine Seele" - man denke nur an die gemeinsam organisierten Feste und Feiern.

"Wellenbrecher" gegen die Vorurteile von damals waren Anselm Hengesbach und Stadtförster Bonsch (aktiv gedient und Feldwebel a.D.). Wichtig scheint uns der Hinweis, daß in den Gründerjahren junge Männer aus Wehrstapel sich dem Verein anschlössen - trotz des steilen Anmarschweges zur Bergstadt hinauf (bergab ging es leichter). Sie besuchten regelmäßig die Turnstunden.

Im Jahre 1900 gründeten die Männer aus Wehrstapel ihren eigenen Verein. Das tat dem herzlichen Einvernehmen bis zum heutigen Tage keinen Abbruch.

Die Turner und der "Korb"

Nach dem Ersten Weltkrieg (der damals die Numerierung "Erster" nicht trug, weil es noch keinen "Zweiten" gab) hätte der Turnverein seine Geräte gern in der Schützenhalle untergestellt. Er erhielt von der Schützenbruderschaft einen "Korb". Scheinbare handfeste Begründung: "Die Halle ist keine Stätte der Verwüstung, groben Unfugs und Randalierens". Trotz dieser unverständlichen Absage unternahm der Turnverein einen zweiten Anlauf. Diesmal etwas diplomatischer, indem er der Schützenbruderschaft ein ,,Zuckerbrot" anbot. Der Turnverein wolle das Schützenzelt, das sich teilweise in einem verwahrlosten Zustand befand, auf eigene Kosten instandsetzen. Wider Erwarten gab es diesmal ein schnelles "Ja".

Endlich eine Turnhalle!

Bereits Ende der 40er Jahre wurde der Wunsch der Turner nach einer eigenen Turnhalle immer lauter. Im Juni 1950 fand der erste Spatenstich statt. Zuerst galt es, ein Plateau zu schaffen, auf dem sich der stolze Bau erheben sollte. Tausende Kubikmeter Erde bewegten die Turner in freiwilliger Arbeitsleistung. Loren halfen, das Erdreich am Vorderhang aufzuschütten. Die Arbeiten schritten schnell voran - bis die Erdarbeiter eines Tages an die Mauern eines alten Wehrturms stießen, der vermutlich den Burgberg nach Norden abgeschirmt hat. Der Plan mußte geändert werden; Mitte November waren die Grundmauern gezogen. Der nächste Tag war der Tag, an dem der Schnee kam...

Am 17. Mai 1952 legte Bürgermeister Leiße den Grundstein. Mit Recht waren die Turner Stolz auf das Erreichte, aber - das Geld wurde knapp. Die Verantwortlichen hatten ein gerüttelt Maß an Sorgen und mußten manchen Bittgang tun. Von den Verbänden und der Landesregierung flössen dem Verein finanzielle Hilfen zu. Die Stadt half, wo sie nur konnte. Sogar der damalige Jagdpächter Wiederholt stellte dem Turnverein einen ansehnlichen Betrag zinslos zur Verfügung. Am 15. August 1954 nahm Pastor Fischer die Weihe der neuen Turnhalle vor.

Abschied vom Turnboden

Nachdem Theodor Engel als Oberturnwart 30 Jahre lang eine Generation von Turnern geformt und geführt hatte, trat er vom Turnboden ab. Jahns Wahlspruch blieb auch der seine: "Frisch nach dem Rechten und Erreichten streben, das Gute tun, das Bessere bedenken".

An seine Stelle trat Heinrich Welling (Hüttemann). Turnbruder Heinrich Hüttemann ist wie Theo Engel eine in der ganzen westfälischen Turnerfamilie bekannte und geschätzte Persönlichkeit. Er war Kunstturnwart im Sauerländer Turngau.

Am Start der letzten 25 Jahre

Vom 70. Geburtstage des TV Eversberg im Jahre 1958 nahmen die örtlichen Tageszeitungen mit längeren Berichten Kenntnis. Mit einem Sprung über fünf Jahre sind wir bereits am Start zu unserem Querfeldeinlauf durch das letzte Vierteljahrhundert angelangt - was die allgemeinen Ereignisse im Vereinsleben angeht, denn die einzelnen Abteilungen (Turnabteilung, Fußballabteilung, Tischtennis-Abteilung und Skiabteilung) widmen wir eigene Kapitel.

Wir beginnen mit der Feier zum 75. Geburtstag des TV Eversberg am 14. und 15. September 1963. Vorsitzender Herbert Gierse wandte sich am Festkommers-Abend an die jungen Männer, einmal einen halben Urlaub zu opfern, um einen Übungsleiter- oder Schiedsrichter-Lehrgang mitzumachen, jenem Zeiturteil den Kampf anzusagen, das die Menschen unserer Zeit in das Joch der Bewegungslosigkeit zwingen will, sich klar zu machen, daß zur gesunden Lebensführung regelmäßige Leibesübungen gehören, daß solche Übungen die allerbeste Medizin sind, daß Ballspiele am Abend wirkungsvolle Schlaftabletten sein können und daß diesmal waren die Frauen gemeint - die Bewegung die natürlichste Kosmetik ist".

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Neue Sportanlagen bringen Aufschwung

Die Generalversammlung am 5. März 1966 begann feierlich und harmonisch. Die Vesammlung ernannte Josef Tuschen (zu jener Zeit 75 Jahre alt) zum Ehrenvorsitzenden.

Die Zahl der Mitglieder stieg ständig: von 235 im Jahre 1965 bis über 800 im Jubiläumsjahr. Die Stadt Eversberg war nie knauserig, wenn es um die Förderung des Vereinslebens ging, so konnte der Turnverein im Jahre 1967 den Sportplatz erweitern, da die Stadt die Erneuerung ermöglicht hatte.

Im Jahre 1968 machte sich die Bergstadt Gedanken über die Planung einer Turnhalle, und zwar als Gemeinschaftshalle von Schützen und Turnern. Die Beratungen nahmen konkrete Gestalt an. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wenn neu- oder umgebaut wird, dann sind das Hindernisse für den Übungsbetrieb (1971). Als aber die Arbeiten beendet waren, gab es einen "Hochsprung" der Aktiven:

- Jede Woche nahmen etwa 280 Turnerinnen und Turner an den Trainingsveranstaltungen teil.

Manfred Wolf übernahm Vorsitz

Nach zehn Jahren engagierter und verantwortungsvoller Leitung des TV Eversberg gab Herbert Gierse sein Amt als 1. Vorsitzender ab (1973). Der Verein dankte ihm für seine Vorstandstätigkeit mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Als Nachfolger wählten die Mitglieder Manfred Wolf. Zum ersten Male bildete der TV Eversberg im Jahre 1973 einen Jugendausschuß. Hermann Kesting übernahm den Vorsitz des Ausschusses.

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Die Mitglieder des TV "Gut Heil" Eversberg trugen im Jahre 1974 ihren 83 Jahre alt gewordenen Ehrenvorsitzenden Josef Tuschen zu Grabe. Ein besonderes Gedenken gilt diesem Turnbruder, der sich um den Verein große Verdienste erworben hat. Er lenkte die Geschicke des TV Eversberg als 1. Vorsitzender von 1936 bis 1961 und war auch der "Motor" für den Bau der Turnhalle.

Und immer wieder klingt bei diesem "Querfeldeinlauf" die erfreuliche Kunde ins Ohr, daß die Zahl der wöchentlich Trainierenden steigt. Es sind bereits 350!

In der außerordentlichen Generalversammlung am 13. September 1975 gab Rudolf Hosbach seinen Rücktritt als Geschäftsführer bekannt. Der bisherige 2. Kassierer Carl Basiert rückte in die Geschäftsführung auf. Fritz Hengesbach wurde 2. Vorsitzender als Nachfolger des verstorbenen Turnbruders Johannes Scheer.

Da der TV Eversberg seinen Jugendlichen etwas Schönes bieten wollte, plante er im Jahre 1977 eine Sommerfreizeit in Hopfgarten. Diese Jugendfreizeit in Hopfgarten (Österreich) hat sich bewährt. Sie wurde in den Jahren 1978, 1979, 1983 und 1985 erfolgreich wiederholt.

Der 90. Geburtstag

Da man Feste feiern soll, wie sie fallen, feierte der Verein am 6. und 7. Oktober 1978 seinen 90. Geburtstag. Es gab einen Festabend mit einer,,Sport-Show", an dem bekannte Sportlerinnen und Sportler ihr Können zeigten. "Die Feiern und Veranstaltungen waren sehr gut", hielt der Protokollchef dieses festliche Ereignis fest.

Wechsel an der Vorstandsspitze

An der Spitze des Vorstandes gab es im Jahre 1979 einen Wechsel, da der 1. Vorsitzende Manfred Wolf sich aus beruflichen Gründen nicht mehr für dieses Amt zur Wahl stellte. Den Vorschlag, Fritz Siebers als seinen Nachfolger zu wählen, nahm die Generalversammlung einstimmig an. Dieses Amt verwaltet Fritz Siebers auch noch im Jubiläumsjahr. 1982 löste Horst Kunisch als 2. Vorsitzender Fritz Hengesbach ab.

Breitensport statt Hochleistung

Um der Öffentlichkeit zu zeigen, was der TV Eversberg zu leisten vermag, trat er am 1. April 1979 mit einer bunten Palette seiner Aktivitäten in der Turnhalle ins Rampenlicht. Hier ist der Hinweis angebracht, daß der TV Eversberg seine Aufgabe Darin sieht,

- die Möglichkeit für den Breitensport zu schaffen und nicht Hochleistungssportler zu züchten, wobei er aber auch nicht übersehen will, begabte Sportler oder Sportlerinnen zu fördern, falls sie es wünschen, um zu "höheren Ehren" zu gelangen.

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Kleine und große Sorgen um ein "Zuhause"

Inzwischen waren wieder Bauarbeiten fällig geworden, diesmal nicht an der Turnhalle, sondern das Sportheim am Sportplatz sollte mit erheblicher Eigenleistung des Vereins so gestaltet werden, daß es optimal seinen Zweck erfüllt. Die Kosten wurden mit 75.000 DM veranschlagt. Die Stadt Meschede (Eversberg hatte durch die Kommunale Neuordnung 1975 seine Selbständigkeit verloren und war in der Stadt Meschede »Mitglied" geworden) hatte einen Zuschuß von DM 33.000 gezahlt, da sie von den erheblichen Eigenleistungen des TV Eversberg beeindruckt war.

Nach Abschluß der Bauarbeiten dankte der Vorsitzende der Baukolonne für die geleisteten Arbeitseinsätze, besonders den beiden »Leitenden", Martin Fust und Bernfried Niemeier.

Und immer wieder Bauarbeiten: In der Turnhalle mußte 1984 die Heizungsanlage erneuert werden. Ohne Zuschuß der Stadt ging's auch diesmal nicht. Das Äußere der Turnhalle mußte ebenfalls einer gründlichen Überholung unterzogen werden. Auch hier war ein Zuschuß »unserer Stadt" Meschede erforderlich. Im Jubiläumsjahr steht noch die Dachsanierung an. Auch hier kommunale Hilfe. Doch dann steht ,,unsere" Turnhalle wieder im alten Fachwerkglanz, bereit, unser Jubiläum in einem festlichen Kleid mit uns zu feiern.

Die Sorge, das nach 90jähriger Tradition im Vereinslokal ,,Hengesbach" (Markes) der Verein kein "Zuhause" mehr haben würde, erwies sich nach erheblichen Um-und Neubauten als unbegründet. An renovierter Stätte werden die Mitglieder wie seit vielen Jahrzehnten tagen, feiern und Gäste empfangen können.

Zwei junge" Fünfundsiebziger

In der Jahreshauptversammlung am 8. Mai 1982 sagte Vorsitzender Fritz Siebers:

"Ihre Teilnahme an der Generalversammlung zeigt dem Vorstand Ihr Interesse an der Arbeit des Turnvereins. Dieses Interesse läßt uns hoffen, daß zu den Berichten eine lebhafte Diskussion, sachlich und dadurch ersprießlich, entstehen wird". Im weiteren Verlauf dieser Generalversammlung ehrte Vorsitzender Siebers zwei verdiente Mitglieder mit den Worten: "Für langjährige Tätigkeit im TV Eversberg, insbesondere aber für eine aufopferungsvolle Tätigkeit im Vorstand und in der Ausbildung von Sportlern, hat der Verstand unseren beiden "jungen" Fünfundsieb-zigern, Heinrich Welling-Hüttemann und Fritz Hengesbach (Wer sieht ihnen schon die 75 Jahre an?), zu Ehrenmitgliedern des TV Eversberg 1888 ernannt.

- Ich brauche die Verdienste dieser bewährten Kämpen für den Sport nicht besonders hervorzuheben. Viele von ihnen haben das verdienstvolle Wirken über mehr als eine Menschengeneration selbst erlebt und erfahren (Heinrich Welling-Hüttemann übernahm 1954 das Amt des Oberturnwartes, da Theodor Engel, der 30 Jahre lang eine Generation von Turnern geformt und geführt hatte, vom Turnboden abgetreten war. Ich stelle Heinrich Hüttemann und Fritz Hengesbach den Mitgliedern des TV Eversberg als Vorbilder in jeglicher Hinsicht vor".

An dieser Stelle ist wieder ein Dankeschön fällig. In der Jahreshauptversammlung am 12. März 1983 richtete 1. Vorsitzender Fritz Siebers eine Laudatio an Gerhard Hengesbach, im Volksmund als "Hengesbachs Opa" bekannt, der als Vereinswirt seinen Platz hinter der Theke aufgeben wollte. "Wir danken ihm herzlich für die langjährige Betreuung mit Rat und Tat". Als äußeres Zeichen und zur Erinnerung übergab Siebers,,unserem Opa" die Serie der Eversberger Zinnteller mit den allerbesten Wünschen für seinen jetzt folgenden Ruhestand.

Vorsitzender Siebers dankte ferner dem rührigen Schatzmeister Johannes Niemeier nicht nur für seine mit peinlicher Genauigkeit geführten Vereinsfinanzen, sondern auch dafür, daß er dieses Amt seit 30 Jahren ohne Unterbrechung verwaltet.

Wieder galt es (in der Generalversammlung vom 9. März 1985), einen verdienten ,,Dreißiger" zu ehren: Martin Fust, der drei Jahrzehnte lang als Sozialwart tätig war, ein sehr wichtiges Amt, da es in einem sporttreibenden Verein leider nicht ohne Verletzungen abgeht. Daß sie ausbleiben mögen, wird immer nur ein schöner Wunschtraum bleiben.

Mitgliedstärkster Verein

Die Vereinschronik verzeichnete am 31. Dezember 1984 insgesamt 705 Mitglieder. Der Turnverein ist damit in der Bergstadt der mitgliedstärkste Verein. Erfreulich war immer zu registrieren, daß die Kurve der Mitgliederzahlen weiter nach oben zeigte. Der Grund war vermutlich auch darin zu suchen, daß 1979 eine Ski-Abteilung gegründet worden war, die in Eversberg eine ,, Marktlücke" schloß. Im Jahre 1987 stieg die Mitgliederzahl auf über 800. Der Vorstand wertete diese Steigerung als Bestätigung dafür, daß innerhalb des Turnvereins die Angebote des Vereins auch genutzt werden.

Gesundes Herz für die Zukunft

Wir hoffen, daß der,,Querfeldeinlauf" durch die letzten 25 Jahre des Turnvereins 1888 Eversberg nicht zu anstrengend war. Aber gut trainierte Turner und Sportler jeden Alters haben ihn sicher spielend geschafft. Wenn der Puls auch mal 130 Schläge in der Minute erreicht, so ist das nur gesund, auch wenn der Atem etwas schneller als sonst geht. Einen langen Atem und ein allzeit gesundes Herz wünschen wir dem 100jährigen Geburtstagskind für ein neues Jahrhundert, damit der TV Eversberg, wie von 1888 bis 1988, die Intentionen von Friedrich Ludwig Jahn verwirklichen kann.

"Gut Heil!"

Tischtennis-Abteilung seit 1964

Mal mehr, mal weniger munter hüpfte der kleine Zelluloidball
Noch Cafehaus-Atmosphäre

Die Tischtennis-Abteilung des TV Eversberg ist das zweitjüngste Kind des Vereins in der Bergstadt. Im historischen Rückblick auf ihr "lOjähriges Bestehen im Jahre 1974 schrieb der Abteilungsleiter Arnold Kotthoff, wie alles begann, den Zelluloidball verbandsoffiziell auf dem Schloßberg springen zu lassen, und zwar im Hause Schmidt an der Marktstraße.

Dort trafen sich an jedem Mittwochabend Freunde des Tischtennissportes, um ihrem Hobby zu huldigen. Alle waren mit viel Spaß dabei. Bequem waren die räumlichen Verhältnisse nicht, an sportliche Höchstleistungen dachte niemand. Vielmehr ähnelte die Stimmung einer,,Cafehaus-Atmosphäre", bedingt dadurch, daß man wegen der räumlichen Enge nur eine einzige Platte aufstellen konnte. So verging die meiste Zeit ohne Tischtennisspiel, man klönte und fachsimpelte. Die beengten Räumlichkeiten und der Wunsch, das Können mit anderen Vereinen zu vergleichen, waren letztlich die Initialzündung, im Jahre 1964 eine Tischtennis-Abteilung zu gründen, die sich dem TV 1888 Eversberg anschloss.

Tischtennis

Noch keine Plattenfeger

Die ersten amtlich gemeldeten Mitglieder der Tischtennisabteilung waren Gerhard Hengesbach, Winfried Nölke, Manfred Wolf, Edmund Lumma, Hubert Schmidt, Martin Fust, Hans Förster, Ar-noid Kotthoff, Johannes Bolzenius, Gerhard Trudewind, Wolfgang Droste, Willi Raulf, Ulrich Engel, Berthold Kotthoff und Ulrich Adams.

Manfred Wolf war der erste Abteilungsleiter, der in den ersten zwei Jahren entscheidenden Anteil daran hatte, daß die Abteilung wuchs, blühte und gedieh. Selbstverständlich konnten die Spieler noch nicht alle Mitkonkurrenten von der "Platte fegen", sondern mußten zunächst einen großen Rückstand zu anderen Vereinen aufholen und sich an die Atmosphäre der Meisterschaftsspiele gewöhnen.

Sehr vernünftig war die Einstellung der Abteilung, nicht nur den Wettkampfsport zu fördern, sondern auch den Tischtennissport jedem Interessierten anzubieten. Noch in der alten Turnhalle hat die Abteilung bereits ab 1964 das Schloßberg-Turnier organisiert. Arnold Kotthoff übernahm im Jahre 1966 die Leitung der Abteilung.

Jugendliche

Die intensive Förderung begeisterte in den nächsten Jahren immer mehr Jugendliche für den Tischtennissport. Im Jahre 1967 trainierte erstmals eine Schülergruppe. Damals gab es keine Kreis-Mannschafts-Meisterschaft und damit auch keine Vergleichsmöglichkeit. Um diesem Mangel abzuhelfen, fand erstmals im Jahre 1970 unter der Regie des TV Eversberg eine inoffizielle Kreismeisterschaft statt. Als Sieger stand der TV Eversberg auf dem "Treppchen".

Auch in der Jugendklasse nahm 1967 der TV Eversberg zum ersten Mal an der Kreis-Mannschafts-Meisterschaft teil. Größere Erfolge stellten sich im Jahre 1973 ein. Die Eversberger beherrschten klar die Szene. Sie gewannen die Mannschafts-Meisterschaft und erzielten auch als Einzelspieler hervorragende Ergebnisse. Von 1964 bis 1972 stieg die Zahl der gemeldeten Spieler von 16 auf 72!

Kreismeister 1974 Tischtennis Frauen

Fünf Mannschaften - auch Mädchen

Im Jahre 1974, da die Tischtennis-Abteilung zehn Jahre das sportliche Leben in Eversberg bereicherte, spielten zwei Senioren-, zwei Jugendmannschaften und eine Mädchenmannschaft um die Mannschafts-Meisterschaften. Die Mädchen errangen den inoffiziellen Herbstmeistertitel, ohne eine Niederlage hinnehmen zu müssen. Die 1. Jugendmannschaft holte sich in der Besetzung Michael Föckeler, Robert Dolle, Thomas Schlinkert und Friedhelm Siebers den Kreismeistertitel.

Freundschaft mit PARAGON TTC

Wie kam die Beziehung zum englischen Tischtennis-Club "Paragon" in Folkestone (England) zustande? Arnold Kotthoff erinnert sich: ,,Alles begann im Herbst 1968, als ich gerade einen Kurs in Englisch absolvierte und auf den Gedanken kam, meine Sprachkenntnisse durch eine Brieffreundschaft zu verbessern. Naheliegend erschien es mir, einen tischtennisspielenden Brieffreund zu finden. Schon damals hatte ich den Gedanken, auf diesem Wege auch internationale Sportkontakte zu knüpfen. Auf eine Anzeige in der Zeitschrift ,,Table Tennis News" meldete sich der 45jährige Mr. George Harding, Trainer des TTC Paragon Folkestone".

Mr. Harding und Mr. Sayer Michael Luckhurst und Michael Föckeler

Schon immer hatte sich die Tischtennis-Abteilung bemüht, den Tischtennissport durch Turniere zu fördern. Leider ließen seit 1968 Hallenprobleme eine ständige Veranstaltung großer Turniere, wie sie seit 1964 begonnen worden waren, nicht zu. Jetzt schien die Zeit wieder reif, einen neuen Anfang zu wagen.

Arnold Kotthoff setzte sich mit George Harding in Folkestone in Verbindung und lud die Jugendlichen zum 1. Internationalen Tischtennis-Turnier in Eversberg ein, das zu Ostern 1972 stattfand.

Neun jugendliche Tischtennisspieler von »Paragon" Folkestone kamen mit Mr. Harding und dem Clubvorsitzenden Mr. Sayer in die Bergstadt. Die englischen Freunde erlebten bei einer herzlichen Gastfreundschaft erlebnisreiche Tage im Sauerland.

Kleine Begebenheit am Rande: Michael Föckeler war Gastgeber seines englischen Sportfreundes Michael Luckhurst. Beide trugen nicht nur den gleichen Vornamen, sondern hatten auch die gleichen Geburtstage. Beim Turnier spielte in der Schülerklasse der Eversberger Thomas Schlinkert gegen den späteren deutschen und europäischen Spitzenspieler RaIf Wosik. Er verlor damals das Spiel und wurde im Gesamtklassement Dritter.

Den Gegenbesuch in Folkestone unternahmen 22 Eversberger Tischtennisspieler im Juli des gleichen Jahres.

Zu ihrem "l0-jährigen Bestehen veranstaltete die Tischtennis-Abteilung im Jahre 1974 ihr 2. Internationales Tischtennis-Turnier, an dem 300 Aktive teilnahmen, unter ihnen auch wieder die englischen Freunde aus Folkestone. Da das Turnier immer größeren Zuspruch unter den Tischtennisspielern fand, verlegte der Veranstalter das 3. Turnier aus organisatorischen Gründen in die Dünnefeld-Sporthalle in Meschede.

Erfolge und doch keine "Rosen"

Die Tischtennis-Abteilung erlebte bis zum Ende der 70er Jahre einen stetigen Aufschwung. Sportlich betrachtet, gehörte das Jahr 1980 zu den erfolgreichsten Jahren der Abteilung. Mit etwa 40 Spielern in einer Herren- und zwei Mädchen-Mannschaften nahm die Abteilung an den Meisterschaftsspielen im Tischtenniskreis Arnsberg erfolgreich teil.

Mit klaren Siegen über die Mannschaften TSG Schüren, TV Vorhelm und SSV Hagen wurde die Mädchenmannschaft in der Aufstellung Annergret Bierbaum, Claudia Bierbaum, Brigitte Droge und Marion Breimann Bezirks-Mädelmannschafts-Meister und qualifizierte sich damit für die Westdeutschen Meisterschaften. Mit den Spielerinnen Claudia Bierbaum, Michaela Bierbaum, Annegret Bierbaum und Monika Niemeier konnte die Mädchenmannschaft diesen Erfolg im nächsten Jahr wiederholen.

Trotzdem: Die Zukunftsaussichten erschienen dem Abteilungsleiter Arnold Kotthoff nicht rosig. Erste Anzeichen deuteten darauf hin, daß auch die Tischtennis-Abteilung nicht in der Lage war, sich dem Einfluß bestimmter Faktoren, die sich auf Grund der Lage des Ortes, seiner Größe, der Interessen der Einwohner, der Motivation der Spieler und der Vereinsstruktur ergeben, zu entziehen.

Verschiedenen Mannschaften war es gelungen, insbesondere auf Grund überragender Leistungen einiger Spieler und Spielerinnen an die Kreisspitze zu gelangen. Für eine Fortsetzung dieser erfolgreichen Nachwuchsarbeit wäre die Mitarbeit weiterer ehrenamtlicher Helfer erforderlich gewesen. Leider konnten diese Mitarbeiter nicht gewonnen werden. Es ist klar, daß eine kleine Abteilung mit dem Wechsel der Interessenlage von leistungstragenden Spielern schwer zu kämpfen hat.

Da Arnold Kotthoff, Abteilungsleiter und einziger Übungsleiter, nicht bereit war, diese Schwierigkeiten durch weiter erhöhten Arbeitseinsatz wettzumachen, war der Abwärtstrend nicht aufzuhalten. Jahr um Jahr mußte eine Mannschaft nach der anderen vom Wettkampfgeschehen zurückgezogen werden.

Seit 1985 nimmt keine Mannschaft mehr am Wettspielbetrieb teil. Tischtennis ist seit dieser Zeit in Eversberg Hobbysportart.
Frage: Muß das so für alle Zeiten so bleiben oder gibt es doch noch einen Hoffnungsschimmer?

Jüngstes "Kind" auf langen Brettern
Das Gute liegt ja oft so nahe: Skisport im eigenen "Garten"

Warum in die Feme schweifen, wenn das Gute so nahe liegt? Oft so nahe, daß man es übersieht? Warum erst lange Fahrten hinter sich bringen und dabei in Staus geraten, um etablierte Skigebiete im Sauerland zu erreichen, wenn es - mit einigen Abstrichen - die gleichen Möglichkeiten in Eversbergs eigenem ,,Garten", genauer: im Gebiet des "Hoppegartens" gibt, das 400 Meter über dem Meeresspiegel liegt und ungefähr 30 Schneetage garantiert.

Das sagte sich auch Willi Raulf, als die Ski-Abteilung als bisher jüngstes Kind des TV Eversberg im Jahre 1979 gegründet wurde und eine große Anzahl interessierter Ski-Freunde auf ihrer Seite hatte. Hier war eine ,,Marktlücke" geschlossen worden, die eigentlich längst schon hätte besetzt sein können. Nun, gute Ideen kommen nie zu spät.

- Eins aber erklärte Abteilungsleiter Willi Raulf ganz deutlich: Die Ski-Abteilung ist nicht allein um ihrer selbst willen da. Sie steht allen Skisportbegeisterten offen".

Skilift

Um in den Genuß von Skiunterricht zu kommen, fuhren die Skifahrer aus Eversberg, sobald das Wetter es erlaubte, zu Skipisten im Hochsauerland, bis Willi Raulf und Arnold Kotthoff, des ,,Schlangestehens" auf der Straße und am Lift überdrüssig, Abhilfe ersannen, auf privates Risiko einen tragbaren Lift kauften und für die Skiabteilung im Hoppegarten installierten. Auf diese Weise konnte die Skiabteilung ihr Wirkungsfeld in den Freizeitbereich erweitem. Willi Raulf: "Wir möchten alle ansprechen, die in ihrer Freizeit Skisport treiben, unabhängig davon, ob sie Mitglied unseres Turnvereins sind oder nicht".

Ski-Wiese

Alsbald stellte sich jedoch heraus, daß der Kleinschlepplift den Anforderungen nicht gewachsen und von Kindern nicht einfach zu benutzen war. Der Bau eines Bügelumlaufliftes wurde beschlossen.

Für die Bewältigung von Investitionen im Skibereich, z.B. Übungshang Hoppegarten, hat sich ein Förderverein gebildet (der zweite Förderverein in Eversberg), dem der TV Eversberg als Mitglied angehört. In mehreren Verhandlungen und Gesprächen sind sich alle Beteiligten darüber klar geworden, daß eine andere Lösung nur schwer möglich war. Es hat sich erwiesen, daß die erarbeitete Lösung die einzig richtige war. Der Förderverein ist der Bauherr und der Betreiber des Skiliftes. Er übernahm auch die Betreuung der schönen Langlaufpiste auf dem Plackweg.

Bereicherung für Wintergäste

Nach dem Bau des Skiliftes, der auch für die skifahrenden Wintergäste in Eversberg eine Bereicherung ihres Aufenthaltes in der Bergstadt ist, bietet die Skiabteilung Interessierten die besten Möglichkeiten, den Einstieg in den alpinen Skisport zu schaffen und ihre Fähigkeiten auf den zwei ,,Brettern" (volkstümlich auch "Latten" genannt) zu entwickeln. Der Verein tut sein Bestes, diese Grundlagenarbeit zu fördern.

Trotzdem ist das Programm der Skiabteilung differenziert worden. Während einerseits für eine Gruppe der Freizeitgedanke des Skisports im Vordergrund steht, soll andererseits der sportliche Skilauf für die Mitglieder besonders gefördert werden. Die Freizeitsportler finden bei Vereinsmeisterschaften, Stadtmeisterschaften, Sicherheitsparcours und Seilrennen attraktive Veranstaltungen, bei denen sie ihr Können überprüfen und im Wettkampf mit anderen vergleichen können.

Ski-Lehrer

Programm vom sportlichen Inhalt bestimmt

Der Unterschied zwischen einem Vereinsprogramm für den sportlichen Skilauf und dem Freizeitsport besteht nach Ansicht von Abteilungsleiter Willi Raulf darin, daß das Sportprogramm vom sportlichen Inhalt bestimmt sein muß. An der Skigymnastik des Turnvereins Eversberg nehmen Wettkampf- und Freizeitsportler einträchtig nebeneinander teil. Die erstgenannten Sportler führen die Übungen ausgiebiger und exakter aus, die anderen strengen sich an, so weit es ihre Kräfte zulassen.

Außer der Skigymnastik ist ein Training für sportliche Skifahrer in mehreren Gruppen zu verschiedenen Zeiten im Hoppegarten geplant. Die Leistungsstärkeren werden zusätzlich im Hochsauerland geschult, ihr Leistungsstand durch regelmäßig angesetzte Punkterennen überprüft.

Leiter der Ski-Abteilung ist seit der Gründung Willi Raulf.

Sechs Jahre lang fanden Fahrten der Ski-Abteilung im Herbst oder Sommer zum Skitraining nach Sölden statt. Dann gab es eine zweijährige Pause. Nun ist aber für Herbst 1988 wieder eine Fahrt vorgesehen, zu der in erster Linie Kinder und Jugendliche eingeladen sind. Ihre Eltern können sie begleiten, auch Skiwanderer sind willkommen.

Wünsche für die Zukunft

Was kann man den Skisportlern für die Zukunft wünschen? Stets zwei gute Bretter und einen "gfürigen" Schnee (wie die Bayern sagen), möglichst keine Beine oder Arme in Gips, auch wenn man sich in Sportlerkreisen "Hals- und Beinbruch" wünscht. Und was könnten die Skihasen und Skihäschen zum 100. Geburtstage ihres "Muttervereins" tun? Vielleicht den "Schnee-Walzer" tanzen.